Meier Tobler

Legionellen: die unterschätzte Gefahr

50 Liter Warmwasser werden in der Schweiz pro Kopf jeden Tag verbraucht. Die Debatte darüber, wie kalt Kaltwasser sein sollte, wie heiss Warmwasser sein muss, wie viel Energie in einem Haushalt für die Warmwasserproduktion verbraucht werden darf und wie viele Keime unser Trinkwasser besiedeln dürfen, ist auch ein Dilemma zwischen Nahrungsmittelsicherheit und Sorgfalt gegenüber der Umwelt. Bundesämter, Gebäudetechniker, Mikrobiologen und Fachplaner versuchen die Quadratur des Kreises.

Wärmer ist besser – kälter aber auch

Fast ein halbes Jahrhundert, nachdem fast 200 ehemalige US-Soldaten bei einem Veteranentreffen an einer Legionellen-verursachten Lungenentzündung starben, brüten noch immer Mikrobiologen, Gebäudetechniker, Hydrologen, Nahrungsmittel-Ingenieure, Architekten und Fachplaner über Strategien, Mittel und Wege, dem anderthalb Tausendstel-Millimeter kleinen Schädling auf die Pelle zu rücken. Mit mässigem Erfolg, scheint es, nachdem im vergangenen Herbst in Genf 30 Bewohner des Pâquis-Quartiers mit der Diagnose Legionärskrankheit hospitalisiert werden mussten und Anfang Mai dieses Jahres Duschanlagen einer Ostschweizer Kaserne wegen Legionellen-Verseuchung geschlossen werden mussten. Definitiv den Garaus machen kann man der für den Menschen gefährlichsten Art «Legionella pneumophila» zwar nicht, darin sind sich alle Jäger des sporenlosen Stäbchen-Bakteriums einig. Es geht vielmehr darum, die Aktivitäten und den Lebensraum der Verursacherin der Legionellose zu beschränken. Dazu muss man zuerst einmal wissen, wie und wem die Legionellen mit welchem Erfolg gefährlich werden können.

Das unschuldige Warsteiner Bier

«Wie rein ist unser Bier noch?», titelte die «Bild»-Zeitung im September 2013, nachdem in der Bier-Stadt Warstein innert Tagen 165 Patienten mit Lungenentzündung hospitalisiert werden mussten und Legionellen als Ursache feststanden. Das Boulevardblatt bewies damit, dass man die wichtigste Erkenntnis für die Bekämpfung von Legionellen nicht verstanden hatte: Legionellen sind völlig ungefährlich, wenn sie in kontaminiertem Wasser getrunken werden – mit oder ohne Hefe. Ihre mitunter tödliche Wirkung entfalten sie ausschliesslich in der Lunge, wohin sie in Form von Aerosolen durch die Atmung gelangen.

Mehr darüber lesen